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May 2, 2005previous review

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Die Schriftenkünstler
Wünschen Sie eine Schrift, die verwischt aussieht? Oder eine Schrift, die an einen alten C64-Computer erinnert? Oder gar eine, die so aussieht, als ob Dracula am Werk gewesen sei? Die Karlsruher Designfirma MAGMA macht's möglich.
Magma ist eine kleine, auf ungewöhnliche Schriften spezialisierte Designfirma in Karlsruhe. In einem Buch, das die Arbeit des Fotografen Christian Ernst vorstellt, hat sie jetzt ihre gesammelten Schriften präsentiert. "Alle diese Schriften steckten in unseren Computern", sagt Ulrich WeiB, der Mitgründer von MAGMA, "und wir fanden, dass wir sie veröffentlichen sollten."
Sein Kompagnon Lars Harmsen erklärt, wie alles angefangen hat. Als die jungen Gestalter feststellten, dass es das, was sie wollten, einfach nicht gab, begannen sie, selbst Schriften zu entwerfen. "Für ein Poster wollten wir eine Beschriftung, die roh und aggressiv wirkte", erinnert er sich. "Es gab keine, und deshalb mussten wir sie selbst entwickeln." Das lief so gut, dass sie dabei blieben.
Ihr erstes Design hieß Magneta und sei laut Harmsen "noch ein bisschen artig" gewesen. Das stimmt ohne Zweifel, wenn man es mit ihrer späteren Fone-Serie vergleicht. Die basiert auf Letraset-Lettern, die so verschlissen sind, dass sie nur einen Teil ihrer Farbe auf die Seite übertragen.
"Wir waren beeinflusst von den Ideen des US-Grafikdesigners David Carson", sagt Harmsen."Sein Glaube, dass alles möglich ist und es keine Grenzen für die Lesbarkeit gibt, eröffnete uns neue Welten."
Bis 1996 hatten Harmsen und Weiß genug Schriften für einen Katalog entworfen. Earthfonts enthielt einige auffallende Designs, aber MAGMA wollte weiter gehen. "Wir bewegten uns in zwei Richtungen", sagt Harmsen. "Zum einen verwendeten wir Schriften, um politische Ideen zum Ausdruck zu bringen. Und dann hatten wir Schriften entworfen, die weniger gut lesbar waren - und wollten jetzt auch mal Schriften entwerfen, die leicht lesbar sind."
Die politischen Schriftarten basieren auf dem Wingdings-Prinzip: Druckt man eine Taste, erhält man ein Symbol anstatt eines Schriftzeichens. "Wenn man mit der Genocide-Schrift einen Namen schreibt, bekommt man die Gesichter von anderen Leuten", sagt Harmsen. "Das ist ganz schön störend."
Für den Alltag brauchbarer sind da Schriften wie Digibo, die nach dem MAGMA-Designer Boris Kahl benannt ist, der sie entworfen hat. Es handelt sich um eine deutlich lesbare Schrift, die in mehreren Versionen erhältlich ist: eckig, rund, serifenbetont, serifenlos, kursiv und Kapitälchen. Digibo ist auch die Haupttextschrift für das Magazin BykeStyleMag, für das MAGMA alle Schriften entworfen hat. Digibo Text ist eine offene Schrift mit großen Zahlen und großzügigen Oberlängen. Sie ist leicht zu lesen, eignet sich aber dennoch gut für ein Großformat wie BykeStyleMlag. Die Wirkung wird noch verstärkt durch die Überschriften, die in Schriftarten wie Fraktendon gedruckt sind, eine Kombination aus respektablem Clarendon und gotischer Fraktur (diese Schrift erweckt den Eindruck, Dracula wäre am Werk gewesen).
Das gemeinsame Buchprojekt von MAGMA und Christian Ernst heiBt Versus. Darin wirken Fotografien und Text in einer fruchtbaren Spannung zusammen. "Wir heben die bei Werbeanzeigen übliche Beziehung zwischen Bild, Logo und Statement auf und setzen sie in einer neuen Kombination zusammen", erläutert Weiß. "Das wirft Fragen nach ihren Beziehungen auf."
Für Ernst ist das Buch ein Rückblick auf seine Arbeit der vergangenen 15 Jahre. "Ich war sehr jung, als ich zu arbeiten begann", sagt er. "Mein Wissen habe ich zum größten Teil autodidaktisch erworben. Außerdem hatte ich immer viel mit Grafikdesignern zu tun. Die meisten Fotografen glauben, dass Grafiken ihre Fotos ruinieren. Und die meisten Designer wagen es nicht, Fotos anzurühren. Aber ich will, dass sie das Foto anrühren - oder auch nicht. Es darf nur nicht so aussehen, als würden Grafiken und Fotos nicht zueinander passen."
Bei Versus passen Fotos und Schriften zueinander. "Wir dachten an eine Art Erzählung", sagt Harmsen. "Die Fotos bewegen sich von Technologie über Personen zur Natur. Und die Schriften tun dies genauso - von digitalen Schriften zu herkömmlichen Schriften mit aufgerauten digitalen Schriften dazwischen."
Erzählung mit Papier
Auch das Papier, auf dem das Buch gedruckt ist, spiegelt diese Erzählung wider. Es ändert sich von Glanz- über Seiden- zu Mattpapier. Laut Harmsen habe Zanders Ikono von M-real alle diese Sorten, so dass sich einerseits ein perfekter Einklang und andererseits ein perfekter Widerspruch ergebe: "Wir wollten, dass Versus mit einem frequenzmodulierten Raster und NovaArt-Farben gedruckt wird, um mehr Details, hellere Farben und Kontraste wiederzugeben. Deshalb war es sinnvoll, ein hochwertiges Papier mit einer optimalen Oberfläche und optimalen Druckeigenschaften zu haben."
Bei Versus ginge es um die Steigerung von technischen zu natürlichen und organischen Bildern und Schriften, und MAGMA wollte eine Steigerung bei der Oberfläche des Papiers, erläutert er weiter: "Nicht viele Papiere entsprechen dieser Idee. Wir brauchten eines, das bei verschiedenen Oberflächen - glänzend, seidig, matt - die gleiche Farbe hat. Ikono erfüllte diese Anforderung."
Und WeiB meint: "Die Texturen sind nicht offensichtlich, aber am Ende wird man sich ihrer bewusst."
Dass der renommierte Berliner Designverlag "Die Gestalten" begeistert auf das Buch reagierte, freute die Karlsruher sehr. "Ich dachte, die sind nicht interessiert an No-Names wie uns", meint Harmsen. Nachdem er ihnen aber zwei PDF-Seiten per E-Mail geschickt hatte, waren sie doch beeindruckt.
Das Buch enthält auch eine CD-ROM mit allen 70 im Buch verwendeten Schriften.
www.magma-ka.com

www.ch-ernst.de

www.volcano-type.de

www. die-gestalten.de

www.ikono.de
Text: Michael Lawton, Fotos: Courtesy bei MAGMA