MagmaBrandDesign

July 9, 2010previous news

Books/Typography

Form #233 – Typolyrics

In der aktuellen form (#233, Juli/August 2010) wird unser Buchprojekt TypoLyrics vorgestellt.

Aus der Besprechung von Chefredakteur Gerrit Terstiege, form:
»Kurt Weidemann nennt die Typografie eine ›spröde Geliebte‹. Wie viel Sexappeal die Schwarze Kunst entfalten kann, zeigt jetzt das Buch TypoLyrics, das die Herausgeber der Zeitschrift Slanted kürzlich auf der Typo in Berlin präsentierten. Der Claim von Slanted lautet nicht von ungefähr: ›Das Gefühl Typografie‹. Es geht den Machern des Hefts nicht um feintypografische Haarspaltereien, sondern darum, ihre Begeisterung und Leidenschaft für Schriften mitzuteilen, Schriften zu inszenieren und neue Schnitte vorzustellen.
Lars Harmsen, einer der Gründer der Karlsruher Agentur MAGMA, die Slanted ins Leben gerufen hat, brachte eine Rubrik in dem legendären, lange von David Carson gestalteten Magazin Ray Gun auf die Idee: ›Dort ging es allerdings darum, das Cover einer bekannten Platte neu zu illustrieren – ein fiktives Re-Design sozusagen, aber sehr bildhaft, Text spielte da keine Rolle. Bei TypoLyrics steht die Präsentation neuer Schriftentwürfe im Vordergrund: Um das gestalterische Potenzial einer Schrift zu zeigen, muss man sie nun mal in Anwendung sehen, Schwarz auf Weiss. Ein blosser Blindtext reicht da nicht aus. Oft geht auch der Esprit eines Fonts verloren, wenn die Art seiner Darstellung von den CI-Vorgaben eines Schriftenverlages bestimmt wird.‹
Meist findet die Auswahl einer Schrift heute online statt, man gibt ein paar Worte in ein Textfeld ein und kann dann sofort sehen, wie diese in den verschiedenen Schnitten aussehen. Ohne Zweifel – das ist praktisch, wenn es schnell gehen soll und man einen ersten Eindruck gewinnen will. Harmsen hat jedoch anderes im Sinn: ›Mit TypoLyrics geben wir den Schriftentwerfern die Möglichkeit, selber zu zeigen, wie ihre Entwürfe eingesetzt werden können. Oder wir bitten Illustratoren und Grafiker, eine bestimmte neue Schrift zu verwenden und anhand eines Songtextes auszuloten, wie sie läuft, wirkt und klingt.‹

Hier geht es also nicht darum, den wilden Vorstellungen von Rockbands oder den Marketingleuten einer Plattengesellschaft gerecht zu werden. Aber wenn man den Umfang des über 200 Seiten starken Kompendiums bedenkt und die Grösse des Projekts, das elf Kapitel und 176 typografische Illustrationen umfasst, dann wird klar, dass man nicht einfach jedem Designer eine Carte Blanche geben konnte – nach dem Motto: ›Inszeniere deinen Lieblingssong!‹
Die kuratorische Leistung von Lars Harmsen, des DJs Frank Wiedemann, sowie der Designer Flo Gaertner, Johannes König und Jan Kiesswetter lag vor allem darin, die richtigen Songs in der richtigen Mischung an die entsprechenden Designer zu vergeben, auf dass spannende Paarungen und visuell inspirierende Ergebnisse entstehen.
Jan Kiesswetter kommentiert: ›Wir haben in manchen Fällen sehr junge Gestalter mit alten Songs betraut, einen Techno-Fan mit einem Countrysong konfrontiert. Oder einen Hip-Hop-Liebhaber mit einem Folksong. Eben weil wir Visuals provozieren wollten, die sich jenseits der Genre-üblichen Klischees oder persönlichen Vorlieben bewegen.‹ (…)«